Andrea
(1.1) An sich ist Liebe etwas Natürliches, und unsere Instinke weisen uns
oft den Weg. Es gibt aber Aspekte des Liebens, die im frühen Alter im
Umgang mit anderen erlernt werden, zum Beispiel die Art, wie man mit
seinen eigenen Gefühlen umgeht und sie zeigt, oder die Vorstellung
davon, wie viel Liebe in welcher Form man selbst "wert ist" und wie
man sie gewinnen kann.
(1.2) Besonders deutlich wird dies an Menschen, die in ihrer
Kindheit an dem vergeblichen Versuch, die Liebe ihrer Eltern zu
erringen, resigniert und ihre Nicht-Liebenswertigkeit akzeptiert
haben oder gelernt haben, dass sie sich Liebe verdienen muessen.
(1.3) Solche Fehlkonditionierung in einer Therapie ändern zu wollen, ist ein
langwieriger Prozess, zumal die Art wie wir lieben von uns selbst
als ein wesentlicher Teil unserer Persoenlichkeit begriffen wird.
(1.4) Interessanterweise widersprechen viele Menschen dem Vorurteil, daß man Lieben
durch Nachahmen der Eltern lernt. Ein schlechtes Vorbild kann
genausogut zum Widerspruch anregen: "So schmerzhaft soll es bei mir nicht
laufen. Ich will alles anders machen, ich will dies und das anders machen..."
Und man beginnt nachzudenken und seine eigenen Träume aufzubauen. Allerdings
erst in einem Alter, wo sich das Selbstbild und die Vorstellungen vom
menschlichen Miteinander schon gefestigt haben.
Bernd
(2.1) "Liebe ist etwas natürliches". Das heißt, sie gehöre zum Menschen - unabhängig von seiner Kultur und Erziehung. Du sagst, daß uns die Instinkte "oft" den Weg weisen. Ich glaube, daß es für uns sehr aufschlußreich sein wird, wenn wir uns zu überlegen, unter welchen Bedingungen uns die Instinkte den Weg weisen und unter welchen Bedingung sie uns nicht weiterhelfen.